April in Kanada

| Kanada

Hello everybody!

Ich bin es wieder, Liv. Über die Hälfte von meinem Auslandsaufenthalt ist nun schon vorbei, es ist verrückt, wie schnell die Zeit vergeht! Ich habe nur noch zwei Monate übrig, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht.

Wie ich bereits im letzten Bericht erwähnt habe, dass der April aufregend wird, war es auch.
Mein April hat sehr positiv angefangen… Pünktlich zum 1. April war mein Coronatest positiv. Dies war leider auch die letzte Woche von Spring Break, weshalb ich nichts mehr erleben konnte, außer Tee zu trinken, mindestens zehn Marvel-Filme zu schauen und in meinem Zimmer in Quarantäne zu bleiben.

Nach einer Woche daheim konnte ich aber wieder in die Schule. In Meeresbiologie haben wir mit dem Thema Fische und Meeressäuger begonnen gehabt und wir sezierten einen Barsch. Hört sich vielleicht nicht so toll an, aber viele fanden es sehr interessant. Ohne dass ich einen falschen Eindruck von mir vermitteln möchte, hatte ich erstaunlich viel Spaß am Schneiden des Fisches. Manch anderer war eher weniger begeistert.

Dann stand auch schon Ostern vor der Tür.
In der Schule haben alle Internationals an dem Tag Ostereier in der Bücherei gesucht, das war ganz witzig und danach durften wir noch Ostereier färben. Ich war ganz froh, dass ich etwas Tradition aus Deutschland an Ostern hatte. Denn Ostern in Kanada ist anders als in Deutschland oder zumindest anders, als ich es gewohnt bin. Jeder feiert sicherlich verschieden Ostern, aber was mir besonders aufgefallen ist, war, dass der kirchliche Aspekt einfach unbeachtet wird. Es ist mehr so „oh, wir haben Ostern dann gibt es Schokolade als Geschenk“ und es ist lediglich ein normaler Tag. Man bekommt zwar frei, was definitiv alle gut finden, mehr aber nicht. Den Grund, warum Ostern gefeiert wird, ist hier total irrelevant. Wir haben mit meiner Gastfamilie lediglich S’mores gemacht. Für alle, die noch nie davon gehört haben, man grillt Marshmallows über einem Lagerfeuer und diesen gegrillten Marshmallow macht man zwischen zwei Kekse (ich empfehle welche mit Schokolade). Es schmeckt so lecker! Das war eigentlich schon alles, was man über Ostern hier erzählen kann.

Am selben Wochenende sind meine Gastfamilie und ich zu China Beach gefahren. Wir waren ungefähr zwei Stunden dort und sind am Strand umherspaziert. Der Strand hatte auch einen Wasserfall, zu welchem wir hingelaufen sind. Falls ihr zufällig auch in der Gegend seid, egal ob Urlaub oder Auslandsaufenthalt, lohnt sich ein Ausflug dorthin auf jeden Fall.

Darauf das Wochenende ging es für mich drei Tage nach Tofino. Wir sind freitags morgens losgefahren mit dem Bus und einer Gruppe von knapp 100 Internationals. Es war ein Ausflug von unserem Distrikt aus, daher waren wir so viele. Nach circa drei Stunden Fahrt war unser erster Stop für Lunch in Coombs.
Coombs ist ein kleiner Ort etwas hinter Parksville und neben Qualicum Beach. Nachdem wir ungefähr eine Stunde Pause gemacht hatten, ging es noch die letzten beiden Stunden weiter nach Tofino. Wir haben nicht direkt in Tofino selber gewohnt, sondern in Ucluelet, das ist circa 50 km entfernt. Das heißt, wir mussten morgens immer mit dem Bus nach Tofino fahren.
Als wir in Ucluelet angekommen waren, hatten wir etwas Zeit, unsere Zimmer zu beziehen, und nachdem wir Dinner gegessen hatten, gingen wir an den Strand. Am Strand angekommen konnten wir umherlaufen, uns hinsetzen und irgendwo entspannen und als das Feuer angefangen hatte zu brennen, haben wir wieder S’mores gemacht. Neben den Keksen gab es auch Schokodrops als Topping und meine Freunde kamen auf die geniale Idee, Schokodrops in den Marshmallow zu tun und ihn daraufhin zu grillen. Meine Empfehlung an alle, die vorhaben demnächst Marshmallows zu grillen, macht Schokodrops rein. Die schmecken unglaublich lecker danach!

Irgendwann begann die Sonne unter zu gehen und es war ein wunderschöner Sonnenuntergang. Ich bin mit Sicherheit nicht die Einzige, die es liebt, Fotos von Sonnenuntergängen zu machen, besonders am Meer und ich habe meiner Meinung nach, eins der schönstens Fotos eines Sonnenuntergangs am Meer geschossen, die es gibt. Das ist das Foto, ich finde es einfach unheimlich schön!

Als es dann dunkel wurde, gingen wir zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen ging es morgens gegen 8 Uhr mit dem Bus nach Tofino und ich habe eine Whalewatchingtour gemacht. Wir waren ungefähr drei Stunden auf dem Wasser und neben Hunderten von Seelöwen, Seerobben, einem Seeotter und ein paar Adlern haben wir tatsächlich einen Grauwal gesehen. Leider war es nur die Wasserfontäne und ein bisschen von seinem Rücken, weshalb ich keine Fotos machen konnte, aber dafür gibt es Fotos von den anderen Tieren.

Es war tatsächlich sehr wackelig und wenn ich mich nicht irgendwo festgehalten hätte, wäre ich einfach hingefallen. Tja, und wie es das Wasser so will, wurde ich, als ich ganz vorne stand, komplett nass. Auf einmal kam eine große Welle und ich habe nur noch meine Kamera versteckt, weil die ja nicht nass werden darf und ich wurde dafür von Kopf bis Fuß nass. Als wir dann zurückkamen, musste ich mir erst mal eine neue Hose kaufen und Socken. Jetzt habe ich eine Jogginghose aus Tofino und Socken mit Walen drauf. Dafür werde ich mich immer daran erinnern, wenn ich die Sachen trage.



Den restlichen Tag haben wir in Tofino verbracht. Wir haben in einem Café eine heiße Schokolade getrunken und sind dann noch in eine Pie Bäckerei gegangen. Leider weiß ich den Namen nicht mehr, aber falls ihr in Tofino seid, solltet ihr zu diesem Pie Laden gehen.

Zurück in Ucluelet gingen wir in ein Restaurant Dinner essen und danach hatte jeder noch Freizeit für sich selber.

Sonntag war dann schon der letzte Tag und leider hatten wir Regen. Ich hatte aber eine Surfstunde und wurde daher sowieso nass. Ich dachte erst, dass es total kalt sein wird, die Neoprenanzüge haben aber sehr warm gehalten und man hat die Kälte überhaupt nicht gespürt. Ich habe es auch ein paar Mal geschafft, auf dem Board zu stehen, auch eine ganze Welle lang. Ins Wasser gefallen bin ich auch etliche Male und es ist wirklich nicht einfach, das Gleichgewicht zu halten, aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Muskelkater habe ich aber noch immer.

Als wir mit dem Surfen fertig waren, hatten wir noch etwas Zeit für Lunch und danach sind wir schon wieder losgefahren Richtung Sooke. Nach ungefähr vier Stunden Fahrt haben wir noch einen kurzen Stop an der Cathedral Grove gemacht. Das ist ein Spazierweg durch den Regenwald auf der Insel und dort stehen Bäume, die 700/800 Jahre alt sind. Hier wurde auch eine Szene aus Star Wars – die letzten Jedi gedreht, aber ich habe nicht erkennen können, wo genau es war. Hier auf dem Foto sieht man auch unsere Hälfte der Gruppe.

Nach weiteren zwei Stunden kamen wir dann zuhause an.

Am Montag waren wir in Meeresbiologie wieder Whalewatching machen. Wir waren nur mit einem Schlauchboot unterwegs, also hat es noch mal mehr gewackelt und wir sind ganz schön viel übers Wasser gehüpft. Wir haben erst wieder ein paar Seelöwen, Seerobben und Adler gesehen und als wir fast schon die Hoffnung verloren hatten auf einen Wal, ist tatsächlich noch ein Buckelwal aufgetaucht. Wir waren alle ganz aus dem Häuschen, als wir ihn auftauchen gesehen haben. Leider hatten wir dann nicht mehr genug Zeit und wir mussten zurück fahren. Auf dem Rückweg hatten wir auch ordentlich Speed drauf und aus dem Nichts kam ein Baumstamm im Wasser und wir sind komplett drüber gefahren. Dieser Aufprall hatte aber so eine Wucht, dass ich nach vorne geflogen bin. Ihr müsst wissen, ich bin nicht sonderlich groß und kam daher nicht auf den Boden, um mich mit den Füßen abstützen zu können. Ich habe mich nur noch an einer Freundin, die neben mir saß, festgeklammert und die habe ich dann auch noch mit nach vorne gerissen. Uns beiden ist nichts passiert und wir haben mindestens 20 Minuten danach noch gelacht. Selbst unser Lehrer hat mit uns gelacht. Aber trotzdem bin ich froh, dass uns nichts passiert ist.

Dienstag hatten wir wieder schulfrei, weil mittwochs das neue und letzte Quartal angefangen hat. Also habe ich wieder neue Kurse und meine Kurse sind Fotografie und Psychologie. In beiden werde ich vermutlich sehr viel lernen, was mir für später was bringt. Gerade was Bildbearbeitung betrifft, freue ich mich sehr, solche Fähigkeiten in Fotografie zu lernen.
Was Psychologie angeht, war die erste Stunde schon sehr spannend. Wir mussten uns erst eine nukleare Atomkatastrophe vorstellen, bei der es nur 20 Überlebende der gesamtem Menschheit gab, acht von den Überlebenden müssen jedoch sterben, weil es nicht genug Essen gibt im Schutzbunker. Unsere Aufgabe war es, anhand Personenprofile mit Gesundheitsstatus, Geschlecht, Alter und Job zu entscheiden, wer lebt und stirbt. Da gab es natürlich viel Diskussion in der Klasse, aber es war total faszinierend, alle verschiedenen Meinungen zu hören. Außerdem diente es lediglich dem Spaß und um herauszufinden, wie verschiedene Menschen denken. Danach haben wir noch eine Studie über aggressive Autofahrer gelesen und welchen Einfluss diese auf den öffentlichen Verkehr nehmen. Dazu mussten wir ebenfalls noch ein paar Fragen beantworten und das war es auch schon.

Ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen, gerade weil es nun endlich warm wird und das Wetter gut. Ich denke, die Zeit wird daher leider noch mal schneller verfliegen, aber umso schöner werden natürlich auch!

See you soon!

Liv