Abschied von Tasmanien

| Australien

Im April waren meine letzten zwölf Tage in Tasmanien und zwölf Tage schienen viel zu kurz, um von neun Monaten Abschied zu nehmen. Das soll aber nicht heißen, dass sie nicht trotzdem schön waren ๐Ÿ˜Š

Meine Freunde und ich haben uns zum Dinner getroffen, das wir selber gekocht haben. Es gab typisch italienisches Essen, wir haben Basketball und Karten gespielt und ich war richtig glücklich. Ein Freund aus Argentinien ist noch vor mir abgereist, deswegen haben wir uns davor nochmal alle getroffen, um ihn zu verabschieden. Am nächsten Tag war dann auch schon mein letzter Schultag. Ich habe allen meinen Freunden aus der Schule Tschüss gesagt und sie meine australische Flagge unterschreiben lassen. Nach der Schule war ich mit meinen anderen Freunden noch bei einem Konzert, das im Park vor der Schule gegeben wurde.

An Ostern sind wir zu der Tochter unserer Gasteltern gefahren und haben da den Tag mit der Familie verbracht. Dort haben wir zuerst Lunch gegessen, dann haben die Enkelinnen Schokoladen-Eier gesucht (meine Gastschwester und ich haben sogar welche abbekommen!). Es gab Pavlova (ein typisch australischer Kuchen aus Baiser) und wir sind bis zum Dinner geblieben.

Die nächsten Tage habe ich hauptsächlich gepackt und mich mit Freunden getroffen. An einem Tag haben mich zwei Freundinnen aus einer anderen Stadt beim Packen überrascht - die Gesellschaft hat dabei ganz gut getan ๐Ÿ˜Š

An meinem letzten ganzen Tag sind meine Freunde und ich nach Hobart gefahren, damit ich mich von unseren Freunden dort verabschieden konnte. Ich glaube, der Tag war einer der schönsten. Zwischendurch war ich für kurze Momente total traurig, weil ich wusste, dass ich diese Menschen jetzt für eine lange Zeit nicht mehr sehen werde. Aber dann wurde mir auch immer wieder bewusst, dass wir ja noch diesen Tag haben ๐Ÿ˜Š. Und ich denke, es ist gar nicht eine so schlechte Idee, am letzten Tag nochmal viel zu unternehmen. Dadurch hatte ich gar nicht die Möglichkeit, zu tief in meinen Emotionen zu versinken, weil meine Freunde mich da immer wieder rausgeholt haben. Das hat den tatsächlichen Abschied dann aber natürlich nicht viel einfacher gemacht. Ich kann nur sagen, dass ich die meiste Zeit der dreistündigen Busfahrt nach Hause geweint habe. Als wir abends in Launceston angekommen sind, musste ich mich auch von den meisten meiner Freunde da verabschieden (da wurde es mit dem Weinen auch nicht unbedingt besser).

Am nächsten Tag habe ich die restlichen Sachen gepackt und meiner Gastfamilie und Gastschwester Abschiedsgeschenke gegeben. Am Nachmittag sind wir los zum Flughafen gefahren, wo dann auch noch zwei weitere Freundinnen gewartet haben. Als wir im Flughafen standen, wurde plötzlich alles real und dann hatte ich riesengroße Angst. Angst davor, meine Freunde zu verlassen. Angst davor, nach Hause zu kommen ohne meine Gastschwester, die ich knapp sechs Monate jeden Tag gesehen habe und die zu einem der wichtigsten Menschen für mich geworden ist. Und auch Angst davor, dass sich die Sachen in Deutschland zu sehr verändert haben.

Mittlerweile ist es Anfang Mai und ich bin seit zwei Wochen wieder hier. Die Zeit in Deutschland vergeht irgendwie so viel langsamer. Ich bin ganz alleine geflogen und als ich meine Eltern am Frankfurter Flughafen stehen gesehen habe, habe ich direkt wieder geweint. Es war so schön, meine Eltern und alle meine Freunde wiederzusehen. In den ersten Tagen habe ich trotz massivem Jetlag so viel wie möglich unternommen, weil ich nicht so traurig sein wollte. Nach meinem ersten Schultag ist dann ganz plötzlich alles nochmal hochgekommen, aber mittlerweile hat sich alles gut eingependelt. Ich komme langsam wieder in meine Routine herein und obwohl ich so lange in der Schule gefehlt habe, lässt sich das meiste echt gut nacharbeiten. Irgendwie hat sich alles verändert, aber gleichzeitig ist auch alles noch so, wie es vorher war - ich glaube, das ist ganz gut.

Ich habe ganz viel Kontakt zu meinen Freunden und auch mit meiner Gastmutter schreibe ich viel. Manchmal werde ich noch ein bisschen traurig, aber letztendlich bin ich einfach nur unglaublich glücklich und dankbar dafür, dass ich diese wunderschöne Erfahrung machen konnte. Ich werde die Zeit niemals vergessen. An meiner Tasche hängt jetzt ein kleines Känguru, in unserer Küche steht ein Glas Vegemite, die Australische Flagge mit Texten von allen meinen Freunden hängt an meinem Bücherregal und ich habe angefangen, ein bisschen Geld beiseitezulegen, um meine neuen Freunde aus Europa vielleicht Ende des Jahres besuchen zu gehen.

Ich bin immer noch dieselbe Person, aber ich habe so viel über mich gelernt. Ich habe wunderschöne Orte am anderen Ende der Welt gesehen, bin über mich hinausgewachsen, habe unglaubliche viele tolle Menschen kennengelernt und mein Herz ist so voll. Ich wünsche allen, denen ihr Auslandsaufenthalt noch bevorsteht eine wunderschöne Zeit und hoffe, dass ihr ganz viel seht ๐Ÿ˜Š

Liebe Grüße

Selma