Weihnachten mal ganz anders!

| Kanada

Hey,

jetzt ist schon 2022 und der Dezember war bis jetzt einer der besten Monate, die ich hier hatte.

Wir hatten uns alle so sehr auf den Dezember und die Vorweihnachtszeit gefreut, dass wir direkt mit ein paar Freunden Plätzchen gebacken haben und dabei Weihnachtsmusik gehört haben. Unsere Gastfamilien hatten sich über die deutschen Plätzchen auch sehr gefreut, also wenn ihr im Ausland seid freut sich eure Gastfamilie sicher, wenn ihr natürlich an ihrer Kultur so viel Teilnehmt wie es nur geht ihnen aber auch von eurer Kultur und Traditionen zeigt.

In der ersten Woche sind wir dann auch relativ weit hoch gefahren in einen Wald in dem wir unseren Tannenbaum selbst gefällt haben. Meine Gastfamilie macht das jedes Jahr mit ihren Freunden und dieses Jahr durfte ich mit einer Freundin auch dabei sein. Dort wo wir den Baum gefällt haben war es so schön und es sah genau so aus wie in den ganzen Winterfilmen. Es hat auch recht lange gedauert bis wir einen guten Baum gefunden haben und, weil uns (vor allem uns internationals, weil wir die Kälte ja nicht wirklich gewöhnt sind) so kalt war hatten wir dann noch ein Lagerfeuer gemacht und darauf Marshmallows gegrillt.

In diesem Monat wurde es auch wieder erlaubt, als nicht Angehörige, die Spiele der Schulmannschaften zu gucken. Ich bin dann sofort mit Freunden von mir zum nächsten Basketballspiel gegangen und es war so cool es ich anzugucken. Auch der von Kanada bekannte ‚school spirit‘ war dort stark zu spüren. Alle haben die eigene Schule angefeuert und ich habe dort auch viele Leute gesehen die ich kenne. Ich finde einfach so toll, dass die Sportart hier so unterstützt und auch gefördert werden, im Vergleich zu den Schulen in Deutschland.

Nach dem Spiel wollten wir noch skaten gehen, aber leider hatten wir vorher nicht nachgeguckt ob an dem Tag auch wirklich öffentliches Eislaufen ist und natürlich war dem nicht so. Wir hatten und dann aber einfach etwas zu Essen geholt und uns ein Hockeyspiel angeguckt. Der gesamte Vibe dort war so krass, weil vor allem die eigenen Spieler, die gerade nicht gespielt haben sich gegenseitig so unterstützt und angefeuert haben, dass es umso mehr Spaß gemacht hat zuzugucken. Hockey generell ist so faszinierend. Es fliegen so oft Spieler gegen die Bande oder kriegen einen Schläger ins Gesicht, aber sie machen einfach weiter als wäre nicht passiert und werden sogar von der eigenen Mannschaft ausgebuht wenn sie eine zu große Show um nichts machen (wie zum Beispiel im Fußball haha).

In der Woche danach sind wir dann wirklich Eislaufen gegangen und es ist so krass wie viele kleine Kinder dort sind, die es gerade lernen und dass Hockey hier so ein bisschen ist wie bei uns das Fahrradfahren zu lernen.

Ich könnte jetzt noch richtig ausschweifen, aber damit das hier jetzt nicht zu lange wird komme ich mal zu Weihnachten, was hier wirklich anders ist als in Deutschland.

Der 24. war recht hektisch bzw. stressig für meine Gasteltern, weil sie alles für den 25. vorbereitet haben, an dem hier in Kanada Weihnachten erst so richtig gefeiert wird. Ich und meine Gastschwestern haben natürlich auch geholfen, aber ich glaube wir haben meine Gasteltern eher etwas gestört oder standen ihnen im Weg, dass sie meinten wir sollen etwas anderen machen. Dann hatte ich mit meinen Gastschwestern einen Film geguckt („Don’t Look up“, weil er an dem Tag rausgekommen ist und dort gefühlt jeder bekannte Schauspieler mitspielt, aber auch richtig gut ist). Obwohl Heiligabend hier ja nicht so groß gefeiert wird waren wir dann Abends noch bei der Nichte meiner Gastmutter, wo ihre ganze Familie dann auch war. Zum Glück kannte ich alle schon von Thanksgiving, denn wenn man als „neue“ in eine Familie reinkommt in der sich logischerweise alle schon kennen, weiß ich am Anfang nie so richtig wohin mit mir haha. Aber hier sind alle so nett und nehmen einen sofort als Familienmitglied auf, sodass man sich eigentlich gar nicht unwohl fühlen kann.

Dort haben wir dann zu Abend gegessen und danach noch gewichtelt (ich habe einen Kinogutschein und Snacks bekommen) und andere Spiele gespielt und es war einfach ein richtig schöner und entspannter Abend!

Am Weihnachtsmorgen sind haben wir dann ganz entspannt zusammen gefrühstückt und danach haben wir uns gegenseitig unsere Geschenke gegeben. Ja es ist wirklich komisch, dass hier erst am 25. die Geschenke ausgepackt werden, aber hier ist das total normal und war auch echt schön. Mittags und am früheren Nachmittag haben wir dann alles für das Abendessen vorbereitet zu dem eine sehr eng befreundete Familie meiner Gastfamilie kam, mit ihren Großeltern. Wir hatten dann lange zusammen zu Abend gegessen (und das essen war soo gut, aber echt ähnlich zu Thanksgiving also es gab auch einen Truthahn, was ich vorher immer dacht würde man nur an Thanksgiving essen), viel geredet und uns auch über die letzten Weihnachten unterhalten. Als wir dann nach mehreren Stunden mit dem Essen fertig war, haben wir wieder gewichtelt (wobei ich einen GAP Sweater ergattert habe) und sonst nur weiter erzählt. Irgendwann sind die anderen dann nach Hause gefahren und ich hatte mit meinen Gastschwestern noch den Film, den wir am Tag davor angefangen haben, zu Ende geguckt.

Der 26. wird hier komischerweise auch nicht wirklich gefeiert und an dem Tag hatte jeder so ein bisschen sein eigenes Ding gemacht, was aber um ehrlich zu sein nach so vielen Mensch die man über einen so kurzen Zeitraum gesehen hat auch sehr entspannt war.

Kurz nach Weihnachten war ja dann auch schon Silvester und auch dieses habe ich sehr entspannt mit ein paar Freunden verbracht. Erst sind wir zusammen etwas essen gegangen und zwar in ein richtig gutes italienisches Restaurant wo es richtig gute italienische Pizza gab mit dünnem Boden und fluffigem Rand, was so gut getan hat nach der ganzen amerikanischen Pizza, die hier eher die normale ist. Als wir dann fertig gegessen hatten und wieder nach Hause fahren wollten, haben wir erstmal ewig auf den Bus gewartet, bis uns dann aufgefallen ist, dass dieser gecancelt wurde. Uns war so kalt, weil es glaube ich am Abend so um die -17 Grad waren und wir alle halb erfroren sind. Zum Glück konnte uns dann die Gastmutter einer Freundin abholen und hatte uns nach Hause gefahren. Eine Freundin von mir hatte noch spontan bei mir geschlafen (sie wohnt nur ein paar Straßen von mir entfernt) und mit ihr haben ich dann ein bisschen ins neue Jahr „reingefeiert“.

An sich waren alle Feste so schön und es ist irgendwie auch traurig, dass die Fester über die wir am Anfang immer geredet hatten und spekulierten wie diese wohl für uns in diesem Jahr aussehen würden vorbei sind. Und wie verrückt ist es bitte, dass jetzt schon Januar ist und leider auch schon die ersten in ein paar Wochen zurück nach Hause fliegen. Ich habe letztens erst mit einer Freundin gesagt, dass man jetzt nicht einfach nur noch in einem anderen Land ist und eine tolle Erfahrung sammelt sondern, dass wir mittlerweile wirklich eine zweite Heimat haben und es sogar etwas wehtut wenn man sich vorstellt, dass bald die Hälfte vorbei ist und wir dann wieder zurück müssen und wir diese Zeit so wie wir sie gerade haben, nie wieder erleben werden. Aber deshalb sollte man es hier nur umso mehr genießen und ich freue mich auf alles weitere was kommt.

SEE U !!