Thanksgiving & Co.

| Kanada

Hey!

Jetzt neigt sich schon der zweite Monat hier in Kanada dem Ende zu und es ist total verrückt schon so lange hier zu sein. Auf der einen Seite fühlt es sich so an, als wäre ich schon immer hier und auf der anderen Seite fliegt die Zeit.

Im Oktober war wirklich einiges los! Von Thanksgiving über Camping am Strand bis hin zum Terry Fox Run. Aber ich beginne mal mit dem wohl größten Ereignis in Kanada und Amerika, Thanksgiving.

Ich habe mich sehr auf Thanksgiving gefreut, weil dies einfach eins der großen Ereignisse ist die es bei uns nicht gibt und von denen wir in Deutschland auch so gut wie nichts mitbekommen. Wie immer war meine Aufregung und vor allem ein bisschen Nervosität komplett überflüssig. Alle Leute hier sind einfach so nett und nun nach fast zwei Monaten werde ich auch nicht mehr wie eine Fremde, sondern schon eher wie ein Familienmitglied behandelt. Aber jetzt komme ich auch mal zum richtigen Feiertag. Am Samstag (09.10.21) kam abends die Nichte meiner Gastmutter mit ihrem Freund zum essen und die beiden sind so nett. Ich wurde direkt wie eine Freundin behandelt und es gab überhaupt gar keine unangenehme Stimmung. Wir haben dann nach einem kleinen Appetiser schon um sechs Uhr zu Abend gegessen (kurzer fun fact: hier essen alle so früh zu Abend und wenn man mal um sieben Uhr isst entschuldigen sich immer alle, dass es so spät geworden ist). Es gab wie ich es erwartet habe super viel mit Kürbis, aber es war alles sehr lecker. Später am Abend haben wir dann noch einen Spaziergang gemacht und es war so kalt denn dieses Wochenende war das erste richtig kalte Wochenende. Als wir zurück kamen haben wir Pumpkin Pie gegessen, der hier an Thanksgiving sowas wie bei uns Lebkuchen an Weihnachten ist, und überraschenderweise hat der auch sehr gut geschmeckt, nur die Konsistenz ist etwas fragwürdig. Bis ungefähr 23 Uhr haben wir noch Spiele gespielt und uns unterhalten und danach im Bett ist mir zum ersten mal so richtig bewusst geworden, dass ich wirklich in Kanada bin.

Am Sonntag sind wir zu der Schwester meiner Gastmutter gefahren, wo auch ihre Kinder waren und ihre zwei Enkelkinder (die mega süß sind) und dort gab es dann auch das richtig traditionelle Thanksgiving-Essen mit Truthahn und wieder Kürbis. Vor dem Essen hat dann noch jeder gesagt wofür er dieses Jahr dankbar ist und es war wirklich eine sehr schöne, aber im vergleich zum Tag davor auch mehr „festliche“ Stimmung. Auf der Rückfahrt, die etwas länger war, weil die Schwester am Ende der Stadt wohnt, habe ich mit meinen Gastschwestern ein kleines Carpool Karaoke gemacht und wir haben einfach unfassbar laut zu Throwback Songs gesungen. Mein Gastvater, der gefahren ist, hat mir ein bisschen leid getan. Am Montag, dem eigentlichen Feiertag, an dem wir auch schulfrei hatten, haben wir nichts mehr gemacht und uns vom vielen Essen erholt.

Thanksgiving war wirklich super schön und vor allem sehr lecker, aber eigentlich sehr ähnlich zu Weihnachten, nur ohne Geschenke und ohne Baum. Was auch ganz lustig ist, wenn man mal Deutschland mit Kanada vergleicht ist, dass meine beiden Gastschwestern eine Leggings getragen haben, was die meisten deutschen an so einem „besonderen“ Fest glaube ich eher nicht machen würden.

Diesen Monat hatte ich auch den ersten richtigen Trip mit der Schule. Mit dem Fach Outdoor Education (in dem hauptsächlich internationale Schüler sind) sind wir letzte Woche zu Commando Bay gewandert und haben dort eine Nacht am Strand gecampt. Es war sehr schön und lustig, aber auch recht anstrengend. Wir mussten von der Schule aus erstmal 30 Minuten zum Startpunkt der Wanderung fahren und wir alle haben uns zwar auf die Wanderung gefreut, aber waren auch traurig, als der Bus dann angehalten hat und wir sofort los laufen mussten. Die Wanderung war super schön und mit 4 Stunden auch gut zu gehen, nur leider hatte ich die komplett falschen Schuhe an und habe mir super viele Blasen gelaufen (geht wirklich immer mit Wanderschuhen wandern haha). Als wir am Nachmittag endlich am Strand angekommen sind waren wir sehr erleichtert und haben einfach nur mit ein bisschen Musik entspannt. Abends haben wir dann noch ein Lagerfeuer gemacht und S’Mores gegessen, was gegrillte Marshmallows mit Schokokeksen sind und sehr typisch kanadisch ist, das müsst ihr probieren!!

Bevor wir schlafen gegangen sind, mussten wir alle unser ganzes Essen und unsere Zahnpasta in eine große Box legen, die über Nacht abgeschlossen wurde, damit keine Bären kommen. Unsere Lehrer hatten uns erklärt, dass es recht gefährlich ist Essen im Zelt liegen zu haben, denn Bären können das sogar durch die Verpackung riechen und würden dann versuchen ins Zelt zu kommen. Ich glaube die meisten haben in der Nacht so gut wie gar nicht geschlafen (mich einbezogen), denn es war super kalt und wir haben alle ein bisschen übertrieben und uns Horrorszenarien ausgemalt, wie ein Bär unser Zelt aufreißt.

Am nächsten Morgen war es so kalt, weil es die ganze Nacht geregnet und auch noch morgens weiter geschüttet hat, so dass wir alle schon ein bisschen Panik hatten im Regen zurückgehen zu müssen. Sobald wir dann aber losgegangen sind hat es aufgehört zu regnen. Am Ende der Wanderung sind meine Füße fast abgefallen und wir alle waren so erleichtert als wir von oben den Bus auf der Straße sahen und haben alle super laut gejubelt. Aber abgesehen von dem Schmerz in den Füßen war es wirklich richtig cool und wenn ihr die Chance haben solltet Outdoor Education zu wählen, solltet ihr das auf jeden Fall machen!

In dieser Woche war auch noch der Terry Fox Run in der Schule. Kurzer Fakt über Terry Fox: Terry Fox hatte Krebs und hat versucht, mit nur einem Bein ganz Kanada entlang zu laufen. Diesen Lauf konnte er aber nie beenden, deshalb machen es mehrere Schulen so, dass sie ums Schulgelände laufen, Geld sammeln (jeder musste mindestens 2 Dollar zahlen) und damit den Lauf „beenden“. Das Geld wird für die Forschung zur Heilung von Krebs gespendet und alleine unsere Schule hat über viertausend Dollar eingenommen.

Der Lauf an sich war nicht besonders und um ehrlich zu sein sind wir auch gegangen, aber die Leute von Leadership standen an Schildern die rund um die Schule aufgestellt wurden mit den Provinzen drauf und haben mit Musik dort gewartet und versucht einen zu motivieren. Außerdem kamen zwei Food Trucks zur Schule bei denen man sich in der Mittagspause Essen holen konnte, was ich aber nicht gemacht habe, denn die Schlange war einfach zu lang, aber an sich ist die Idee cool - ich meine, stellt euch mal vor, dass in eurer Schule in Deutschland zwei Food Trucks stehen.

Es ist so schön hier, mittlerweile sind so gut wie alle Bäume orange/rot und der kanadische Herbst ist wirklich genau so schön (wenn nicht sogar noch schöner) wie alle sagen.

Gerade das Fach Fotografie macht dann noch hundert mal mehr Spaß, weil man richtig cool mit den Farben spielen kann. Also noch eine Empfehlung, wenn ihr die Möglichkeit habt Fotografie zu wählen, solltet ihr das auch unbedingt machen!

Crazy, dass jetzt einfach schon fast zwei Monate vergangen sind und mein Auslandsjahr jetzt so richtig los geht. Ich kann es kaum erwarten und freu mich auf alles was kommt!

P.S. Als ich überlegt habe ein Auslandsjahr zu machen hatte ich immer sehr Angst davor Heimweh zu bekommen. Jetzt nach zwei Monaten kann ich aber sagen, dass diese Sorge völlig überflüssig ist und kein Grund dafür sein sollte es nicht zu tun. Ich hatte bis jetzt noch kein Heimweh, also klar vermisse ich mein Zuhause und meine Familie und Freunde, aber so richtiges Heimweh hatte ich bis jetzt noch nicht. Aber selbst wenn, dann ist das auch nicht schlimm und die Zeit geht vorüber und dafür erlebt man hier etwas, was wirklich einmalig ist!

See you,
Mara