Mein dritter Monat

| Kanada

Hey von Vancouver Island aus!

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen letzten Blogbeitrag, in dem ich euch von Halloween in Kanada erzählt habe. Von der Herbst- und Halloweenzeit gehe ich jetzt über auf das Thema „Weihnachten“ über. Für euch scheint es wahrscheinlich, als ist es ein sehr großer Sprung, aber hier ist das völlig normal. Kaum war Halloween vorbei, wurde alle Häuser neu geschmückt und es kam schon Anfang November eine total weihnachtliche Stimmung auf. Anders, als ich es bisher kannte und gewöhnt bin, wird hier alles total bunt und aufwendig dekoriert. Wenn wir durch die Straßen spazieren oder über die Hauptstraße fahren, bin ich jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie man so eine Weihnachtsdekoration auf die Beine stellen kann. Ladysmith ist tatsächlich sehr bekannt für die Beleuchtung und normalerweise findet immer eine Parade statt, die allerdings dieses Jahr wegen Corona ausfallen muss.

Das ist total schade, weil alle immer davon sprechen, was für eine besondere Erfahrung das sein würde. Dafür sind wir an dem Abend, an dem die Stadt das erste Mal in ein Lichterparadies verwandelt wurde, mit ein paar befreundeten Familien durch die Innenstadt geschlendert und haben alles bewundert. Normalerweise kommen ca. 30.000 Leute, um sich die Weihnachtsparade anzuschauen. Auch in unserer kleinen Gruppe war es schon eine schöne Erfahrung. Wir haben uns vorher Kaffee und warmen Kakao bei Tim Hortons bestellt und sind dann von Haus zu Haus gezogen. Wir haben sogar die Ente aus Lichtern gefunden, die jedes Jahr aufs Neue an einem anderen Platz auf der Hauptstraße zwischen all den anderen Beleuchtungen „versteckt“ wird, gefunden. Ebenso, das riesen Lebkuchenhaus der Old Town Bakery, dass man durch das Schaufenster beobachten kann, ist der Hammer und eine echte Attraktion. Wenn du jemals hier hinkommen solltest oder du dich dazu entscheidest, dein Auslandsjahr hier zu machen, dann ist diese Bäckerei auf jeden Fall mehr als einen Besuch wert. Wir bekommen jeden Samstag ein paar Überreste der Bäckerei, die nicht verkauft wurden, die wir dann an unsere Freunde und Bekannten verteilen und auch wir gehen-zu meinem Glück- nie leer aus. Auch, in der Schule war die Weihnachtsstimmung im November schon in vollem Gange, denn wir hatten einen Pyjama-Pancake-Day, an dem die Schule dekoriert wurde und alle ihre Weihnachtsschlafanzüge getragen haben.

Wirklich schade, dass es so etwas bei uns in Deutschland nicht gibt, aber Tage wie diese, sind ein Auslandsjahr in Amerika auf jeden Fall wert! Es ist alles viel persönlicher gestaltet und die Feiertage spielen nicht nur Zuhause eine Rolle, weil in der Schulgemeinschaft das Zusammensein und das Zusammenfeiern, Spaß haben und einander richtig kennenlernen wirklich sehr hoch geschrieben wird. Es ist total cool mit anzusehen, wie sehr die Lehrer sich Mühe geben, den Druck von ihren Schülern zu nehmen und auch mal runterzukommen. In Psychologie zum Beispiel, starten wir jeden Morgen mit meditieren oder Gedankensammeln. Manchmal sollen wir auch einfach darüber nachdenken, wofür wir wirklich dankbar sind und welche Menschen uns viel bedeuten. Ich mag das total gerne, weil man auf diese Art und Weise nicht „vergisst“, über das Positive nachzudenken, wenn es mal etwas stressiger ist und das gibt einem dann direkt ganz viel neue Energie, Kraft und Motivation für den Tag. Die meisten Tage hier sind aber sowieso schon immer sehr positiv und schön. Nach der Schule steht fast immer was auf dem Plan und wenn nicht, dann freue ich mich total darauf, Zeit mit meiner Gastfamilie und meinen kleinen Gastgeschwistern zu verbringen. Manchmal kombiniere ich es auch einfach, denn Weihnachtsplätzchen backen macht umso mehr Spaß, wenn ein bisschen mehr Trubel ist. Ich habe das Glück, dass meine Gastmutter genauso gerne Weihnachtsmusik hört wie ich und auch meine kleine Gastschwester lässt keine Gelegenheit zum Rumtanzen aus.

Von dem, was ich hier so mitbekomme, haben sich alle nach den drei Monaten super eingelebt, bei manchen hat es etwas länger gedauert, aber manchmal braucht man einfach ein bisschen Zeit, um sich neu zu sortieren und zu sehen, was diese kleine Stadt alles zu bieten hat. Auch, wenn ich eigentlich in eine Großstadt wollte, bin ich jetzt wirklich glücklich in Ladysmith. Wir haben die Möglichkeit an verschieden Ausflügen teilzunehmen. Vor zwei Wochen waren wir mit ein paar Austauschülern aller sechs Schulen unseres Schuldistriktes in Victoria, der Hauptstadt von Vancouver Island. Zwar wurden die meisten unserer Pläne bis jetzt verschoben oder abgesagt, dafür kann allerdings allein Corona etwas. Die Möglichkeit ist an sich nämlich super, denn so lernt ihr auch die Austauschschüler der anderen Schulen kennen oder ihr trefft Leute wieder, mit denen ihr euch schon beim Flug angefreundet habt. Es ist total komisch, wenn du in ein Gespräch verwickelt wirst und ihr dann irgendwann herausfindet, dass ihr euch schon vorher begegnet seid, ihr auf gemeinsamen Fotos seid, aber ihr einander gar nicht wahrgenommen habt. Einfach, weil während dem Flug alle sehr müde sind und man viel zu vielen Menschen begegnet, um sich jedes Gesicht merken zu können. Ihr müsst also kein schlechtes Gewissen haben, wenn das passiert, denn so eine Geschichte, kann nahezu jeder der Austauschschüler hier erzählen.

Mit der Zeit lernst du dann immer mehr liebe Leute kennen und auch nach drei Monaten kommen noch Leute auf mich zu, ich mache neue Bekanntschaften und es entstehen Freundschaften. Das passiert ganz automatisch. Ich würde dir sehr empfehlen, dich einem Sportteam oder einem Club anzuschließen, denn dort lernt man am aller Besten andere Menschen kennen. Zu deinem Vorteil, haben diese dann sogar noch gleiche Interessen wie du und ihr habt in jedem Fall ein super Gesprächsthema zum Kennenlernen. Wenn du Glück hast fahrt ihr dann auf gemeinsame Turniere und Wettkämpfe, wo ihr als Team total zusammengeschweißt werden. Ich verbinde meine Zeit im Volleyball-Team mit total schönen Erinnerungen. Zwischen den Spielen sind wir zusammen zum Tim Hortons gefahren, es wurde Musik gehört und Stimmung war immer gut. Leider ist die Saison ja vorbei (ich glaube, da habe ich in meinem letzten Beitrag etwas zu erzählt, wenn es euch interessiert, lest gerne nach!), aber es ist tatsächlich auch entspannt, dass man jetzt nochmal mehr Zeit andere Dinge nach der Schule zu unternehmen. Heute habe ich mich zum Beispiel nach der Schule mit ein paar Freundinnen getroffen und wir sind zusammen in die Stadt gegangen. Wir haben ein paar Kleinigkeiten eingekauft und zusammen ein leckeres Abendessen gezaubert. Wenn das für eure Gastfamilie in Ordnung ist, ist kochen und backen (besonders in der Weihnachtszeit) ein guter Tipp, von dem ihr unbedingt Gebrauch machen solltet. Oft ist es allerdings so, dass ich kaum noch Hunger habe, wenn ich nachmittags oder abends nach Hause komme, leider schmeckt das Essen meiner Gast-Mama viel zu gut. In der Schule ist es nämlich so, dass entweder von der Cafeteria Gebrauch gemacht wird, es noch leckere Reste vom Vortag gibt oder man sich ein Sandwich mit Rührei, eine warme Suppe, frisches Obst oder Gemüse im Foyer stibitzt, denn da liegt immer etwas kostenloses bereit, für wirklich jeden. An einem Tag der letzten Woche kam während der Lunch-Pause allerdings kaum jemand zum Essen, denn es gab einen Lockdown. Hier ist alles super streng, was Fremde in der Schule angeht und an der Eingangstür hängt auch ein Zettel, dass nur autorisierte Personen das Gebäude betreten dürfen. Ich habe erzählt bekommen, dass des Öfteren auch schon ein Lockdown war, wenn sich ein wildes Tier, wie beispielsweise ein Bär, in der Nähe der Schule aufgehalten hat.

 

Gar nicht so leicht, von diesem Thema auf das nächste überzuspringen, weil ich würde euch gerne von unserem Ski-Trip nach Whistler erzählen. Nachdem es auch hier den ersten Schnee gab, ging es für uns am Wochenende in die Berge aufs Festland. Schon die Hinreise hat uns das Gefühl gegeben, das Highlight der paar Tage erreicht zu haben. Am Morgen mussten wir noch zwei Stunden in den Unterricht, was uns die gute Stimmung ein Bisschen genommen hat. Doch kaum saßen wir in einem der gelben Schulbusse, mit unserer Musikbox und einer super Gruppe an Leuten, war die Vorfreude wieder zu 100% da. Die Fahrt auf der Fähre war total cool, denn wir konnten ganz viele kleine Inseln sehen, die zwischen Vancouver und Vancouver Island verstecken. Vor allem, der Küstenanblick Rund um Vancouver war einfach nur unbeschreiblich. Auf der Fähre gab es für uns viel zu überteuerte Süßkartoffeln, die wir, mit dem wehenden Wind und dem tollen Ausblick, oben an Deck aber wirklich genießen konnten. In Vancouver angekommen, ging es dann weiter auf die schönste Autobahn, die ich je Befahren habe. Ein Wort für diesen Highway? Ich glaube „WOW“ trifft es ganz gut. Fast zwei Stunden konnten wir den vorbeiziehenden Film bewundern, der alle unsere Netflix-Pläne absolut übertroffen hat. Erst der Sonnenuntergang, dann eine Menge Regen und dann...endlich Schnee. Das Beste ist, es war dieser perfekte Puderschnee, der aussah, als wäre er simuliert. Nicht nur für den Schnee, sondern auch für den kleinen Ort auf dem Festland hat sich die lange Fahrt gelohnt. Da wir noch ein bisschen Zeit hatten, wurden wir noch etwas durch Whistler geführt und hatten Freizeit, um auf eigene Entdeckungstour zu gehen. Mit einigen Freunden zusammen, habe ich es zu den Olympiaringen im Herzen der Stadt gefunden, wo wir dann natürlich erst einmal die Touri-Fotos hinter uns bringen mussten. Es war alles sehr schön und weihnachtlich dekoriert und hinter den Olympiaringen gibt es sogar eine Eisbahn. Fürs Schlittschuhfahren waren wir leider zu müde. Außerdem mussten wir es noch zum Supermarkt schaffen, denn wir mussten uns über die 3 Tage hauptsächlich selber versorgen. In letzter Minute haben wir noch das Nötigste bekommen, aber letztendlich hat dann für den ersten Abend doch die Pizzeria gewonnen. Mit viel zu wenig Schlaf sind wir am Freitagmorgen um 6.30 Uhr in den Tag gestartet. Oben auf dem Berg angekommen, habe ich meine Snowboard-Ausrüstung bekommen. Leider sind die meisten aus unserer Gruppe Ski gefahren, sodass ich zwei Stunden auf ein paar Schüler einer anderen Schule warten musste. Nach einer langen Zeit des Geduldens, aber vor allem, einer langen Zeit der immer größer werdenden Vorfreude, ging es dann endlich auf die Piste. Der erste Tag im Schnee war zwar etwas kurz, aber die Zeit, die wir hatten, war dafür umso besser.

Whistler besitzt so viele süße Läden, dass wir es am Tag der Ankunft einfach nicht mehr geschafft haben, etwas durch die Stadt zu spazieren und die Geschäfte zu erkunden, was ich dann freitags mit einer Freundin nachgeholt habe. In einem Laden haben wir einen total netten Mann getroffen, mit dem wir uns unterhalten haben, woraufhin er uns sogar Armbänder geschenkt hat. Auch nach unserer Mini-Shoppingtour im durch das verschneite Whistler ist uns keine Zeit geblieben, die schönen Erlebnisse zu verarbeiten. Ganz viel Action, ja-es ging nämlich sofort weiter in den Außenpool. Ich frage mich wirklich, warum die Schneeballschlacht im Whirlpool nicht auf meiner Bucket- Liste stand. Es war die perfekte Voraussetzung neue Leute kennenzulernen. Diese Möglichkeit mussten wir natürlich nutzen, was dazu geführt hat, dass wir am späten Abend mit einer ganz neu zusammengewürfelten Gruppe aus Leuten gekocht haben. Alle Reste wurden verarbeitet und vom Kartoffelpüree über Wraps bis zum Eis mit Obstsalat gab es bei uns so Einiges zu finden. Am nächsten Morgen ging es dann wieder ganz früh raus zum Ski- und Snowboardfahren. Dass es die ganze Nacht durchgeschneit hatte, war für mich eine super Voraussetzung zum Fahren. Auch an diesem Tag habe ich wieder neue Leute kennengelernt, mit denen ich zusammen die Zeit und den Ausblick im Skigebiet genießen konnte. Wie du wahrscheinlich merkst, gibt es so viele Gelegenheiten, in denen du um das Kennenlernen neuer Freunde gar nicht herum kommst. Du musst also überhaupt keine Angst haben, dass du keinen Anschluss findest, denn es gibt unglaublich viele Gelegenheiten, auch, wenn du normalerweise nicht so extrovertiert bist. Ich kann dir versprechen, das kommt spätestens hier mit der Zeit. Einer, der vielen guten Gründe, warum sich ein Auslandsjahr definitiv lohnt.

Als es dann nach einem weiteren, sehr anstrengenden Pisten-Tag, einem Starbucks-Kaffee zum Aufwärmen und ein paar Cookies zum Stärken in den Bus ging, waren wir immer noch nicht komplett ausgepauert- auch, wenn ich mich frage, wie das überhaupt möglich ist. Die Stimmung war nämlich immer noch super und obwohl es für uns schon das zweite Fahrt auf dem „Sea to sky Highway“ (der Name sagt eigentlich schon alles) war, war es trotzdem wieder atemberaubend. Auf unsere Fähre mussten wir diesmal leider ein bisschen länger warten, sodass es auf der Überfahrt zurück schon dunkel war- zu schade.

Zurück in Nanaimo, wurden alle sehr herzlich begrüßt. Es ist so schön mit anzusehen, wie sehr sich alle schon eingelebt haben. Bei mir ist es nicht anders. Das Gefühl von Heimat zu empfinden, als wir in Ladysmith angekommen sind hat mich noch einmal neu bewusst gemacht, was für ein tolles Leben sich hier um mich herum aufgebaut hat- und das, in so einer kurzen Zeit.

Ich bin mir sicher, dass auch du dich so gut in einem fremden Land einleben kannst, denn in den meisten Fällen, wird es einem wirklich sehr leicht gemacht :)